Abschiedsbrief: Der Vorleser

Hey =)

So ich habe neulich ein paar alte Kartons aussortiert und einiges gefunden von dem ich nicht mal wusste, dass ich das noch besitze. Unter anderem habe ich meine alten Schulsachen gefunden. Von denen ist ein Großteil weggeflogen, aber einiges habe ich dann aus sentimentalen Gründen doch behalten. So auch das Schriftstück, das ich euch heute präsentieren möchte. Aus meiner Zeit im Deutschleistungskurz habe ich diesen Abschiedsbrief gefunden. Wir sollten zu dem Buch „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink einen Abschiedsbrief verfassen und hatten etwa 10 bis 15 Minuten Zeit dafür, wenn ich mich richtig erinnere. So nun genug geschwafelt.


 

Lieber Michael,

in den letzten Jahren warst du mein einziger Lichtblick. Ich habe jedes Mal auf deine Pakete gewartet und war meist etwas enttäuscht, dass du kein persönliches Wort an mich gerichtet hast, dennoch haben mir die Kassetten sehr geholfen. Durch dich habe ich doch noch lesen und schreiben gelernt. Früher warst du mein Vorleser, dann mein Lehrer. Dafür bin ich dir sehr dankbar.

Wenn du diesen Brief liest wirst du bereits wissen, dass ich tot bin. Ich hoffe du kannst mir irgendwann verzeihen. Du hast dir solche Mühe gegeben mir ein Leben nach dem Gefängnis zu ermöglichen. Aber ich habe zu große Angst. In den Jahren im Gefängnis habe ich gelernt, dass meine Schuld zu groß ist. Zuerst habe ich mich nur verstecken wollen, aber dann hast du mir geholfen eine Vergangenheit zu verarbeiten. Früher bin ich nur davon gelaufen, dann bist du mir begegnet. Du hast mir auch damals schon geholfen. Aber manchmal denke ich trotzdem das uunsere Beziehung falsch war. Ich meine ich habe sie sehr genossen und denke gerne daran zurück. Aber ich bin mir auch bewusst, was ich dir damit angetan habe. Das tut mir unendlich leid. Ich habe mich sehr wohl bei dir gefühlt, dennoch konnte ich dir mein Geheimnis nicht verraten. Vielleicht hätte ich es dir sagn sollen, vielleicht wäre dann alles anders gekommen. Jetzt weiß ich was ich zu tun habe. Es tut mir Leid. Jede Nacht höre ich ihre Schreie, noch heute. Ich habe die brennende Kirche vor Augen. Das ist mein Alptraum. Ich kann es nicht vergessen. Jetzt soll ich frei kommen, aber es geht nicht. Ich kann nicht mehr frei leben. Ich glaube du wirst es irgendwann verstehen und vielleicht kannst du mir dann verzeihen. Aber ich möchte dein Leben nicht noch mehr verändern. Bitte lege die Vergangenheit ab, aber vergiss sie nicht völlig. Vergiss mich nicht völlig.

In Liebe Deine Hanna


So, was haltet ihr davon? Ich habe es genauso gelassen, wie ich es damals geschrieben habe, außer einigen grammatikalischen Fehlern. Heute würde ich einige Sachen anders formulieren, bin aber durchaus damit zu frieden.

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